Safran – als Tee nicht nur zum Lachen

In Europa kennt man Safran als Gewürz. Weniger bekannt ist, dass Safran auch als Tee getrunken wird und erstaunlich wirkt. Das erfuhr Victoria Finlay, während sie im Iran auf den Spuren der Farbe Gelb war. Der Iran ist einer der größten Produzenten des Safrans, der aus den Fäden des Crocus sativus gewonnen wird. Für 500 Gramm Safran müssen über 222.000 Blüten mit der Hand geerntet werden.

Man servierte uns Safrantee. Es war, als würden wir flüssige Rubine trinken. Der Tee war süß, rein und tiefrot und obenauf schwamm ein öliger Goldfilm. „Vorsicht“, warnte man mich. „Trinken sie nicht zu viel, sonst müssen sie zu viel lachen.“ In seinem im frühen siebzehnten Jahrhundert verfassten Kräuterbuch Culpepper`s Complete Herbal warnt der Arzt und Astrologe Nicholas Culpepper vor dem übermäßigen Genuss von Safran, weil er zu unziemlichen Lachanfällen führe. Tatsächlich wirkt das Kraut wie ein natürliches Antidepressivum. Im Jahre 1728 veröffentlichte ein Gärtner aus Twickenham namens Batty Langley ein Buch mit dem Titel New Principles of Gardening, in dem er die Vorzüge des Safrans aufführt. „Zu viel Safran raubt den Schlaf, aber in Maßen befreit er den Kopf, hebt die Stimmung, erfrischt und beglückt das Herz“, behauptet er. Siebzehn Jahrhunderte zuvor empfahl Plinius Krokusfäden als Medizin für den Fall, dass das Herz niedergeschlagen ist. Mit Wein gemischt, so Plinius, taugt es außerdem als hervorragendes Mittel gegen einen Kater. Ich tauchte den kleinen Finger in meinen Tee und malte damit Streifen in mein Notizbuch. Jetzt, Monate später, sind sie immer noch leuchtend gelb, während sie sicherlich verblasst wären, hätte ich sie in die Sonne gelegt.
Victoria Finlay, Das Geheimnis der Farben, S.272f., Berlin 2005

In den arabischen Ländern ist Safran ein Verkaufsschlager. „Die Leute verzehren Safran, um sich zu stärken, vor allem während des Ramadan“, erklärte Ali. Da während des traditionellen Fastenmonats zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nicht gegessen werden darf, muss man spätabends ordentlich Kraftnahrung zu sich nehmen. „Manchmal geben sie zehn oder gar zwanzig Gramm Safran in einen großen Samowar und fügen heißes Wasser und Zucker hinzu. Ich kann das Zeug nicht trinken. Dann lachen sie mich aus und sagen, ich sei der König des Safrans und nicht einmal robust genug, um ihn zu trinken.“ Dann fügte er hinzu: „Eigentlich glauben die Araber, Safran sei gut für …“ Er stockte verlegen. „Für Sex?“, fragte ich, ganz ohne islamische Demut. „Äh, ja“, erwiderte er.
Victoria Finlay, Das Geheimnis der Farben, S.274, Berlin 2005

Das Geheimnis der Farben
Eine Kulturgeschichte
Victoria Finlay
Broschiert – 463 Seiten – List Tb. – 01/2005
ISBN: 354860496X – 9,95 Euro

Literatur & Zitate — Schlagwörter: , , , , , — Claudia Trossmann @ 19. Juni 2006 — 2 Kommentare

2 Kommentare »

  1. Auch in Afghanistan soll Safran angebaut werden.
    Vor allem als Alternative zum Mohnanbau (Opium).
    Der Präsident Karzai hat sich inzwischen mit deutschen
    Interessenten getroffen und die Erlaubnis für eine
    Tätigkeit deutscher Hilfsorganisationen für den
    Safrananbau erteilt.
    Der Iran bekommt somit eine ernsthafte Konkurrenz.
    Und in Detuschland wird demnächst auch Safrantee
    getrunken.

    Safrantee aus Afghanistan. Ich freue mich darüber.

    Das wären doch wirklich gute Nachrichten von drüben,
    aus einem Land, wo es Bäche und Seen geben soll,
    die nur aus Tränen bestehen, von Müttern denen man
    die Kinder getötet hat und von Kindern deren Mütter
    ermordert wurden oder ganz einfach am seelischen
    Leid gestorben sind. Einfach so.

    Safran aus Afghanistan. Germ, die Ex-Waldorfschülerin
    freut sich schon jetzt.

    Safrantee aus Afghanistan. Eine gute Idee.

    Comment Germ — 6. März 2007 @ 10:25 pm

  2. Shelter Now hat vor drei Jahren ein Safranprojekt in Afghanistan begonnen. Es handelt sich um ein Mikrokredit-Projekt. Bauern in Herat (West-Afghanistan) produzieren inzwischen Safran hoher Qualität, den man jetzt auch in Deutschland kaufen kann.

    Näheres über dieses Projekt erfahren Sie auf der Webseite der Organisation .

    Comment Udo Stolte — 20. Januar 2011 @ 4:49 pm

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